Mehrtägige Wanderung im Jirisan Nationalpark – 1

Der 지리산 – Jirisan Nationalpark ist der erste und größte Nationalpark Süd-Koreas. Er befindet sich im südlichen Teil und erschreckt sich über drei Provinzen – Süd-Gyeongsang (Gyeongsannam-do), Nord- und Süd-Jeolla (Jeollabuk und Jeollanam). Bergwanderer lieben diesen Gebiet für seine wunderschöne Landschaft, anspruchsvolle Wanderwege und für den höchste Berg im Festland – Cheonwangbong (1915m).

Ich sitze gerade im Zug von Jinju zurück nach Seoul auf dem Rückweg von meiner 3-Tage-2-Nächte-Tour auf Jirisan mit meinen Freunden aus Deutschland – Kerstin und Sven. Die Tour war einfach klasse! Mit vielen Aufs und Ab, Wolken und Berge, Sonne und Wind, sowie tollen Eindrücken und Erlebnissen.

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Jirisan

Unser Plan zum Jirisan

Ich freute mich riesig, als Kerstin und Sven mir mitteilten, dass sie mich Ende Oktober nach Korea zu Besuch kommen würden. Denn ich weiß, dass ich mit den beiden viel Zeit in den Bergen verbringen kann. Wir hatten ja in Deutschland bereits mehrere Kletterausflüge gemeinsam gemeistert.

Lust auf eine lange Wanderung hätten wir schon. Aber Jirisan, Seokraksan oder Bukhansan? Alle sollten schön sein. Na… Wenn schon denn schon. Wir müssen den höchsten Berg besteigen! Also, ab zum Jirisan!

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Jongju (Traversing) Course

Online konnten wir einige hilfreiche Informationen in Englisch über ihre Touren und Erfahrungen auf dem Jirisan finden, z.B. von Juno Kim (2017) oder von Elicia und Thomas (2014). Die Autoren schwärmten sehr davon und hatten super schöne Bilder gepostet. Wir waren sehr begeistert, insbesonders von dem „Jirisan Ridge Hike“, der auch als Jongju (Traversing) Course auf der Korea National Park Webseite zu finden ist.

Nach den Abwägungen bzgl. Transportoptionen sowie einigen Änderungen wegen ausgebuchten Berghütten sah unsere finale Planung so aus:

Tag 0 – Anreise

  • Yongsan Station (Seoul) → Namwon Station mit KTX; Dauer: 2 Std
  • Übernachtung in Namwon

Tag 1 – Wanderung

  • Namwon → Seongsamjae mit Taxi; Dauer: ~30 min
  • Wanderung Seongsamjae → Nogodan Shelter (Hütte) → Banyabong Spitze → Yeonhacheon Shelter ~15km
  • Übernachtung in Yeonhacheon-Hütte

Tag 2 – Wanderung

  • Yeonhacheon Shelter → Byeoksoreong Shelter → Seseok Shelter → Jangtomeok Shelter – ~13km
  • Übernachtung in Jangtomeok-Hütte

Tag 3 – Sonnenaufgang auf Cheonwangbong Spitze & Abstieg

  • Jangtomeok Shelter → Cheonwangbong Spitze → Jangtomeok Shelter – ~3,5km;
  • Jangtomeok Shelter → Jungsanri – ~5.5km;
  • Jungsanri → Jinju Station mit Taxi; Dauer: ~1 Std
  • Weitere Reise nach Busan (Dauer: ~2 Std) / Seoul (~3,5 Std) von Jinju Station

Wir entschied uns für den Schnellzug KTX und Taxi, statt Busse, um so wenig Zeit wie möglich für die An- und Abreise zu verbrauchen.

Unser Gepäck

Für diese Wanderung brachte jede/r von uns einen großen Rucksack mit, denn alles, was wir unbedingt brauchten, durfte nicht fehlen (theoretisch).

Am Ende Oktober – Anfang November war es schon Spätherbst auf dem Jirisan. Morgens und abends sollte es sehr kalt sein. Es könnte außerdem auch regnen. Deshalb hatten wir jeweils außer den Wanderschuhen mit gutem Profil, Wanderhosen und -wasserdichter Jacke weitere thermische Kleidungen nach dem Zwiebelschalenprinzip, Windbreaker gegen den kalten Wind, einen warmen Schal und Mütze, sowie notwendige Ersatzunterwäsche mit.

Persönliche Toilettenartikel, Sonnencreme, ein Erste-Hilfe-Set und Taschenlampe waren auch dabei. Online stand, dass die Schlafzimmer beheizt sein sollten, trotzdem nahmen wir vorsichtshalber jede/r noch ein Schlafsack mit.

Mit zwei Trinkblasen, einer Trink- und einer Thermosflasche waren wir gut mit Wasser versorgt. Allerdings sah es mit Essen etwas dünn aus: ein paar Äpfel und Karotten, Instantporridge, sowie drei Nussriegel. Denn die AirFrance hat es wieder geschafft, Kerstins Rucksack mit den ganzen Küchenutensilien und Essen nicht mit ihr nach Seoul zu bringen 😰. Einen Topf, Messer, Gaben und Stäbchen packten wir noch schnell ein, jedoch keinen Campingkocher und keine Gasflasche.

In der Hoffnung, dass wir unterwegs oder bei der Hütte noch etwas zum Essen kaufen könnten, gingen wir in die Berge. Es wird schon klappen!

Unser 1. Wandertag auf Jirisan – Jeder Anfang ist schwer!

Gegen 7 Uhr morgens lieferte das Taxi uns am Seongsamjae Parkplatz (~1.100m) ab. Es war noch dunkel, kalt, windig und bewölk. Weit und breit war fast nichts zu sehen. Nur ein paar Fotographen standen am Berghang mit deren Kameras, versuchten den Sonnenaufgang aufzunehmen. Wir konnten die Sonne allerdings nur durch ein paar rosafarbenen Flecken über die Wolken ahnen.

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Seongsamjae Parkplatz

Um den Parkplatz herum konnten wir Cafés und Restaurants sehen, freuten uns auch schon auf ein gutes Frühstück. Jedoch hatten alle noch zu als wir dort waren… 😢

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Die 1. Wegweisung

Egal… Rucksack auf und los geht’s!

Unser Wanderweg heute:

Seongsamjae → Nogodan Shelter → Banyabong Spitze → Yeonhacheon Shelter ~15km

Zu Nogodan

Unser 1. Ziel war die Nogodan-Hütte, die auf ca. 1500m höhe lag. Der Abschnitt von Seongsamjae dorthin war nicht schwer und nicht weit, nur ca. 3km weg. Teilweise liefen wir auch auf asphaltierten Gehwegen. Trotzdem gefühlt war es wegen der Kälte und Dunkelheit eine ewig lange Strecke.

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Unser Start in Nebel und Dunkel

Nach einer Stunde Wanderung mit einer kleinen Frühstückspause erreichten wir die Nogodan-Hütte. Angeblich die neuste und modernste Berghütte auf Jirisan. Hier trafen wir auf andere Koreanische Bergwanderer, die gerade frühstückten bzw. sich für den Tag vorbereiteten.

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Nogodan Hütte

Es wurde langsam heller.

Nur 300m hinter der Nogodan-Hütte befindet sich der Nogodan-Pass. Als wir um kurz nach 8 dort passierten, wurden wir von einem Wächter sehr freundlich begrüßt. Er meinte, wir sollten die Nogodan-Spitze (1507m) noch kurz besteigen. Denn wir würden sonst zu früh bei der Yeonhacheon-Hütte sein.

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Der Weg zur Nogodan Spitze

Na gut… Wir ließen unsere Rücksäcke bei ihm und lief die eisige 500m lange Strecke eben hoch.

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Zur Nogodan Spitze

Irgendwann standen wir vor dem Nogodan Steinhaufen und guckten um uns herum. Leider konnten wir nicht viel von der Aussicht genießen, sondern nur die grauen Wolken. Immerhin war ein Stückchen vom blauen Himmel zu sehen!

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Nogodan Spitze

Zu Banyabong

Nach einer schnellen Runde auf dem Aussichtsplatzform mitte in den Wolken kehrten wir zurück zum Nogodan-Pass, um uns wieder auf dem Weg zur Banyabong Spitze (1732m) zu machen. Diese Etappe sollte laut Karte ca. 5,5km lang und am Endesehr schwer sein.

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Wanderungskarte unterwegs

Unterwegs konnte die Sonne sich ab und zu durch die Wolken durchsetzen, strahlte ihre wärme runter. Die wunderschöne Landschaft zeigte sich.

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Die Berge…

Während es unten am Bergfuß erst Mitteherbst war, war es hier oben schon Spätherbst. Alle Blätter waren schon ausgetrocknet oder bereits ausgefallen. Nur das Herbstgras war überall zu sehen.

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Spätherbst

Die letzten 800m zu Banyabong bestiegen wir wieder ohne Rucksack und waren sehr froh darum. Denn diese Strecke waren teilweise so steil und so matschig, dass wir gut aufpassen mussten. Ohne die Rucksäcke konnten wir nicht nur schneller laufen, sondern auch uns besser festhalten. Somit brauchten wir insgesamt nur 2,5 Stunden für diesen Abschnitt.

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Herbstwanderweg zur Banyabong Spitze
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Teilweise matschig…
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Teilweise steil…

Die Aussicht war leider wieder sehr begrenzt, deshalb liefen wir nach dem Selfie schnell zurück zu unseren Rucksäcken. Es sind noch ca. 5km bis zur Yeonhacheon-Hütte.

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Yeah… an der Spitze!
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Aussicht von Banyabong

Zur Yeonhacheon

Zwischen Banyabong und Yeonhacheon liegen drei weitere Spitzen – Samdobong (~1500m), Ttokkibong (~1534m) und Myeongseonbong (1585). Die Landschaft war einfach gigantisch und dramatisch zugleich mit den tiefen Wolken.

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Die Berge…
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… der Herbstgras
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… und wir drei

Als wir noch 4,4km weg vom Ziel war, ging es ständig bergauf. Auch wenn der Weg relativ gut gepflegt ist, war es ganz schön anstrengend! Zum Glück konnten wir die Yeonhacheon Hütte irgendwann schon erahnen.

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Die letzten Treppen zur Yeonhacheon Hütte

Nach insgesamt 7 Stunden 40 Minuten hatten wir die knapp 15km lange Strecke von Seongsamjae bis zum Yeonhacheon Shelter hinter uns 😁.

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Baustelle vor der Yeonhacheon-Hütte

Unser Abendesen in der Yeonhacheon Hütte

Es war erst 14:40 Uhr, als wir bei der Hütte ankam. Aber unser Essenvorrat war schon halb leer und wir hatten riesigen Hunger. Schnell setzten wir die Rucksäcke in die Küche ab und stürzten wir nach oben zum Check-in Schalter.

Der Hüttenmitarbeiter prüfte nochmals den Namen für die Reservierung. Also, alles hat geklappt. Man könnte jedoch erst um 17 Uhr sein-checken. Ein beheiztes Zimmer wäre offen, damit wir uns in der Wärme ausruhen könnten. Das klang schon ganz gut.

Ob er was zu essen da hätte, fragten wir. Darauf zeigte er uns die Choco-pie-Tüten und die abgepackte Reispackungen. Also purer fertigekochter Reis, der „nur noch“  im Heißwasserbad aufgewärmt werden müssten. Mehr hatte er nicht da 😭. Und etwas zum Kochen? Dafür hätte er nur Gas, leider kein Campingkocher 😭.

Und nun?

Wir liefen wieder nach unten. In der Küche standen einige Bergwanderer und kochten Wasser und ihre Gerichte. Hunger! Hunger! Unsere Magen schrien mit dem Essenduft.

Wir haben uns etwas umgeguckt und erkannten einen deutsch sprechenden Wanderer, den wir unterwegs kurz gesehen und gegrüßt hatten. Als er uns seinen Campingkocher anbot, war die Freude riesig groß.

Yeah… Wir bekommen was zu essen! (Auch wenn es nur weißer Reis ohne alles ist! An dieser Stelle möchte ich mich bei Daniel nochmals herzlich bedanken, dass er uns ausgeholfen hat!)

Wir deckten uns sofort mit acht(!) Packungen Reis 😅, holten Wasser, kochten Tee, machten Porridge und erwärmten den Reis.

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Reis Reis Baby…

Der Porridge schmeckte etwas salzig, sagte Kerstin, als sie den probierte. Wie wäre’s mit der Kombination Reis & Porridge zum Abendessen? Ein „Gourmet-Essen“ war das! 😂

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Unser Abendessen – Reis & Porridge

Immerhin wurden unsere Magen mit warmen Essen und Tee gefüllt.

Gute Nacht!

Nach und nach kamen mehr Bergwanderer an. Es wurde auch dunkler und kälter.

Kurz nach unserer Mahlzeit durften wir uns einchecken, eine dünne Liegenmatte sowie eine Decke für die Nacht mieten. Dann ab in Schafkabine. Im Mädelszimmer waren wir nur zu fünft.

Hier breiteten wir unsere Matten, Schlafsäcken und Decken auf den aus Holz gemachte Schlafflächen.

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Schlafkabine mit nummerierten Plätzen

Wir waren etwas erschöpft nach dem langen kalten Tag. Kerstin und Sven hatten zusätzlich noch den Jetlag, deshalb plauderten wir nur eine kurze Weile und machten wir uns gegen 19 Uhr schon fürs Bett fertig. Draußen war es um die 0°, zu kalt zum abhängen.

Im Zimmer war es am Anfang auch frisch, da die Heizung noch schwach war. Aber ab 22 Uhr gab sie Vollgas. Es wurde kuschelig warm zum Schlafen.

Unser erste Tag war somit kalt und trüb, trotzdem hatten wir eine tolle Wanderung.

⛰⛰⛰⛰⛰

Hier geht es weiter zum 2. Teil unserer Abendteuer…
Meine persönlichen Tipps für deine Wanderung findest du in dem Beitrag über Tipps für eine mehrtägige Wandertour in Korea.

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